Was gehen den Betrieben die Wechseljahre an?

In Deutschland sind etwa 11 Millionen Frauen in den Wechseljahren, also zwischen 45 und 59 Jahren – von diesen 11 Millionen sind etwa 7 Millionen Frauen berufstätig*. Wobei wir bedenken sollten, dass einige Wechseljahressymptome bereits deutlich vor dem 45. Lebensjahr auftreten können.

*Stand: 2024 Stat. Bundesamt

Diese etwa 7 Millionen Frauen bringen durch ihre Berufserfahrung und durch ihre vorhandene Kompetenz einen großen Nutzen in das Unternehmen. Die Wechseljahre können allerdings eine große Herausforderung für diese Mitarbeiterinnen sein.

Etwa 30 % dieser Frauen sagen, dass sie auf Grund von Wechseljahresbeschwerden bereits krankgeschrieben waren.

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin hat in ihrem Meno-Support 2023 erstmals auf die Bedürfnisse berufstätiger Frauen in den Wechseljahren konzentriert.

Frage: Haben Wechseljahressymptome schon einmal Einfluss auf Entscheidungen bzgl. Ihres beruflichen Werdegangs gehabt?

26 % Ja, Stunden zu reduzieren.

19,4 % Ja, früher in den Ruhestand zu gehen.

16,1 % Ja, die Stelle zu wechseln.

15,3 % Ja, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen.

 

Frage: Welche der folgenden Maßnahmen zur Unterstützung in den Wechseljahren würden Sie als hilfreich empfinden?

76,4 % Sensibilisierung für das Thema bei den Führungskräften

73,2 % Etablierung einer wechseljahresfreundlichen Arbeitskultur

72,8 % flexible Arbeitszeitmodelle

71,7 % Sensibilisierung für das Thema bei den Mitarbeitenden

71,6 % offene Kommunikation

 

Frage: Welche der nachfolgenden Wechseljahresbeschwerden haben Sie persönlich bereits erlebt?

94,8 % körperliche und geistige Erschöpfung

93,5 % Schlafstörungen

92,1 % Reizbarkeit

88,2 % depressive Verstimmung

82,3 % Wallungen, Schwitzen

 

Frage: In welcher Art und Weise haben Ihre Wechseljahressymptome Ihre Arbeitsfähigkeit beeinflusst?

74,3 % Ich konnte mich weniger gut konzentrieren.

73,8 % Ich habe mich gestresster gefühlt.

50 %    Ich war ungeduldiger/gereizter gegenüber anderen.

38 %    Ich hatte weniger Selbstbewusstsein bezüglich meiner Fähigkeiten.

31,7 % Ich hatte psychische Probleme.

 

Frage: Haben ihre Wechseljahressymptome jemals Einfluss darauf genommen, wie Sie ihr Arbeitspensum bewältigen?

  • Mehr Zeit für das gleiche Arbeitspensum benötigen.
  • Veränderung der Pausengestaltung.
  • Veränderung der Arbeitszeiten oder des Zeitmanagements.
  • Veränderung der Einstellung (mehr Selbstfürsorge/Gelassenheit/sich nicht unter Druck setzen lassen).
  • Vermehrt im Homeoffice zu arbeiten.
  • Sich mehr abzugrenzen.
  • Jobwechsel/Kündigung durch Arbeitnehmerin.
  • Reduzierung der Arbeitszeit.
  • Selbstständigeres Arbeiten.
  • Wechsel in selbstständige Tätigkeiten.

Diese Studie macht deutlich, dass die Wechseljahre nicht nur einen starken Einfluss auf die Frauen an sich haben, sondern dass auch die Wirtschaft betroffen ist. Wechseljahresbedingte Kosten für die deutsche Wirtschaft betragen jährlich 9,4 Milliarden € und fast 40 Millionen Fehltage.

(HWR Berlin, 2024)

Dass sich die Wirtschaft dem Thema annehmen sollte, zeigt McKinsey, eine weltweit führende Unternehmens- und Strategieberatung. Sie berechnet 2024 das wirtschaftliche Potential verbesserter Frauengesundheit auf globaler Ebene mit einem Wert von 1 Billion Dollar.

Zurück zur HWR-Studie.

52,1 % der befragten Frauen (n = 1933) fühlten sich mit dem Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz allein gelassen.

Von 2119 Frauen wünschen sich 56,9 % mehr Unterstützungsangebote von ihrem Arbeitgeber.

Diese Zahlen sind Grund genug, das Thema Wechseljahre im betrieblichen Gesundheitsmanagement aufzunehmen.

 

 

© Petra Nadolny

                             Wechseljahre