Indikatoren der Hochsensibilität

 Um die Hochsensibilität zu bestimmen, braucht es mehr als einen Fragebogen zum Ankreuzen. Dieser Fragebogen dient allerdings gut zum ersten Einstieg in das Thema und einer groben Einschätzung, ob man nun hochsensibel ist oder nicht.

Neben dem persönlichen Gespräch, welches Beratern, Coaches und Therapeuten Hinweise auf den Wesenszug geben kann, gibt es Indikatoren, die bei allen Hochsensiblen vorhanden sein müssen.

Elaine Aron hat vier Indikatoren aufgeführt, die helfen, Hochsensibilität zu erkennen.

  • Emotionale Intensität 
  • Gründliche Informationsverarbeitung
  • Sensorische Empfindlichkeit
  • Übererregbarkeit

Ebenso nennt M. Pluess diese vier Indikationen und bezeichnet diese als DOES

D = Depth of Processing (Tiefe der Informationsverarbeitung)

O = Overstimulation (Überreizung)

E = Emotional Reactivity & Empathie (Emotionale Reaktivität & Empathie)

S = Sensitivity to Subtle Stimuli (Sensibilität für subtile Reize)

 

Als neue zusätzliche Punkte werden die

  • Sensitivität auf positive Ereignisse
  • Sensitivität für Details

den Indikatoren hinzugefügt.

Somit kommen wir auf sechs Indikatoren durch Prof. Michael Pluess.

Sehen wir uns die Indikatoren mal genauer an:

  1. Emotionale Intensität (Emotionale Reaktivität) und Empathie

Hochsensible Menschen reagieren auf alle Ereignisse mit starken emotionalen Reaktionen.

Hier ist zu beachten, dass auch ein traumatisches Erlebnis starke emotionale Reaktionen hervorrufen kann.

Hochsensible Menschen reagieren auf positive und auf negative Ereignisse sehr emotional, trotzdem fällen sie keine unbedachten spontanen Entscheidungen.

Kritik ist für viele HSP ein wunder Punkt, sie reagieren oft sehr sensibel auf Kritik.

Hochsensible Menschen können sich stark in andere Menschen (oft auch in generell Lebewesen) und in Situationen hineinversetzen. Durch aktivere Spiegelneuronen fühlen sie mit Menschen und Tieren mit und können Situationen mitempfinden.

 

 2. Gründliche Informationsverarbeitung (Tiefe der Informationsverarbeitung)

Ein wichtiges Wesensmerkmal, das für Außenstehende erst einmal verborgen bleibt. Als hochsensibler Mensch ist uns dieser Punkt allerdings sehr bekannt. Wir geben uns oft nicht mit den Aussagen anderer zufrieden. Wir denken tiefer, um die Ecke, und den Satz „Was wäre, wenn …“ kennt wohl jeder HSP. Es werden Szenarien bedacht, Eventualitäten überlegt und aus einem einfachen Satz wird ein Roman mit achthundert Seiten.

Als Berater, Coach und Therapeut müssen wir dieses Denken, dieses „Was wäre, wenn …“ aus den Gesprächen heraushören.

 

 3. Sensorische Empfindlichkeit (Sensibilität für subtile Reize)

Die sensorische Empfindlichkeit resultiert auf eine Überstimulation von Reizen, bzw. auf einer niedrigen Reizschwelle und nicht auf einer gesteigerten Leistung der Sinnesorgane. Jeder Mensch hat einen oder zwei Sinne, die stärker ausgeprägt sind.

Jeder hochsensible Mensch kennt das Problem mit der Wolle auf der Haut, oder die Naht, die sich störend auswirkt. Der Duft, der schnell umschlägt und als extrem unangenehm empfunden wird, die Lichtblitze beim Autofahren, wenn die Sonne durch Bäume unterbrochen wird.

 

4. Übererregbarkeit (Überreizung)

Eine Überreizung ist ein wichtiger Indikator der Hochsensibilität. Innere und äußere Reize werden schnell zu viel. Die Stimulation führt zu einem hohen Erregungsniveau, bei dem das Gedächtnis schlechter wird, die Unruhe und Nervosität steigt und der Betroffene sich einfach unwohl fühlt. Kommt es häufig zur Überreizung, so sprechen wir von einer chronischen Übererregung, bzw. einer chronischen Überreizung. Dies führt wiederum zu einem chronisch erhöhten Cortisolspiegel mit all seinen Symptomen.

 

 5. Sensitivität auf positive Ereignisse

Im Unterschied zu traumatisierten Menschen oder Menschen mit Neurotizismus reagieren hochsensible Menschen genauso sensibel auf schöne, positive Ereignisse wie auf negative Ereignisse. So zeigen Forschungen, dass hochsensible Menschen, insbesondere Kinder, deutlich mehr auf positive Erfahrungen ansprechen als ‚normalsensible‘ Menschen.

 

 6. Sensitivität für Details

Hochsensible Menschen haben einen Blick für ‚die kleinen Dinge‘. Dadurch, dass diese Menschen schlecht unwichtige Details ausblenden können, nehmen sie viele kleine Dinge wahr, die andere Menschen ausblenden.

Nochmal: Hochsensible Menschen haben keine besseren, bzw. schärferen Sinne als andere Menschen, sie können nur keine unwichtigen Details ausblenden.

 

Damit ein Mensch als hochsensibel gilt, müssen alle genannten Indikatoren zutreffen!

© Petra Nadolny

Hochsensibilität