Wechseljahre – unsere Hormone
Hormone – so wichtig und doch unterschätzt
Wir besitzen einige Hormone, die als Botenstoffe in unserem Körper fungieren. Männer und Frauen besitzen die gleichen.
Wir sprechen hier über die Geschlechtshormone, die viel mehr beeinflussen als unsere Fortpflanzung.
Hier geht es um die Hormone:
- Östrogene
- Progesteron
- Testosteron und
- DHEA
Wie schon geschrieben: Auch die Geschlechtshormone sind bei Männern und Frauen gleich, nur die Menge variiert. Die Hormonproduktion beginnt mit der Pubertät.
Die Hormone werden in bestimmten Organen/Drüsen gebildet. Damit dies alles abgestimmt und reibungslos funktioniert, sorgen im Gehirn der Hypothalamus und die Hypophyse dafür, dass die Freisetzung der Hormone gesteuert wird.
Der Hypothalamus steuert hauptsächlich unser Nervensystem, das vegetative, welches wir willentlich nicht beeinflussen können. Er steuert aber auch die Bildung und Freisetzung von Hormonen in der Hypophyse.
Die Hypophyse ist das Steuerungsorgan für die endokrinen Hormondrüsen wie Schilddrüse, Nebennieren, Eierstöcke und Hoden. Dazu sendet sie Steuerhormone aus.
ACTH > teilt der Nebenniere mit, Hormone zu bilden. Vor allem wird hier Cortisol gebildet, wenn wir uns in einer Stresssituation befinden und um aktiv zu sein. In der Nebenniere werden allerdings auch geringe Mengen von Progesteron und Testosteron gebildet.
FSH > regt die Eireifung im Eierstock an und beim Mann die Spermienbildung.
LH > fördert den Eisprung und damit die Progesteronbildung (Gelbkörperbildung), außerdem regt LH im Eierstock die Bildung von Androgenen und Östrogenen an.
Alle Sexualhormone werden aus Cholesterin gebildet.
Östrogene
Es gibt nicht DAS Östrogen, es gibt mehrere Substanzen, die zur Familie der Östrogene gehören.
Östradiol, engl. Estradiol: Auch 17-β-Östradiol genannt, ist das aktivste Östrogen.
Östron, engl. Estron: Kann auch in den Fettzellen gebildet werden.
Östriol, engl. Esriol: Wichtig für die Feuchtigkeit der Schleimhäute sowie für die Blasenfunktion.
Die Östrogene sorgen für unsere Weiblichkeit, für unsere Romantik, aber auch dafür, uns mit anderen Frauen zu vergleichen. Sie sorgen dafür, typisch Frau zu sein: ein Familienmensch, der sich fürsorglich um die Familie kümmert und oft auch darüber hinaus hilfsbereit ist. Die Östrogene sorgen für das Wachstum der Brüste und des Beckens, sie sorgen dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird, für die Reifung der Eizellen und den Eisprung.
Wie wir oben gelesen haben, sorgt Östrogen, speziell Östriol, für die Bildung von genügend Schleim im Gebärmutterhals und einer ausreichenden Versorgung aller Schleimhäute.
Östrogene hemmen den Knochenabbau, sie halten die Blutgefäße elastisch und sorgen für einen guten Harnröhrenschließmuskel. Sie fördern Haar- und Hautwachstum, beeinflussen die Wärmeregulation und wirken sich positiv auf unser Gedächtnis aus.
Östrogene haben aber nicht nur positive Seiten, sie lagern Wasser in unser Bindegewebe, außerdem fördern sie die Fetteinlagerung in den Zellen. Sie erhöhen die Blutgerinnung und können vermehrt Histamin freisetzen.
Dass Östrogene quasi überall im Körper Wirkung zeigen, heißt auch, dass wir überall im Körper Östrogenrezeptoren besitzen.
Nun können Östrogene alleine auch unangenehme Dinge im Körper bewirken, das haben wir gerade gelesen. Um die Östrogene in ihre Schranken zu weisen, besitzen wir ein weiteres Sexualhormon, das Progesteron.
Progesteron
Progesteron ist nicht typisch weiblich, es ist eher geschlechtsneutral. Wir Frauen bilden dieses Hormon hauptsächlich durch den Gelbkörper, welcher nach dem Eisprung übrigbleibt. Das ist auch der Grund, warum Progesteron erst in der zweiten Zyklushälfte gebildet wird.
Progesteron ist unser ‚Chill-Hormon‘, unser ‚Wohlfühlhormon‘. Es sorgt für unser emotionales Gleichgewicht. Ein relativ großer Teil der Progesteronrezeptoren, etwa 20 %, befindet sich im Gehirn. Es verbessert den Schlaf, die Konzentration und die Gedächtnisleistung. Progesteron ist unser körpereigenes Antidepressivum.
In der Gebärmutter sorgt Progesteron dafür, dass die Schleimhaut dort ‚umgebaut‘ wird und Gefäße dort für die Versorgung des eventuell eintreffenden Embryos sorgen.
Nicht nur für eine Schwangerschaft ist das Progesteron zuständig, es fördert als Gegenspieler vom Östrogen die Wasserausscheidung aus dem Bindegewebe und strafft dieses. Es hilft, Fett in Energie umzuwandeln, normalisiert unseren Blutzuckerspiegel und die Blutgerinnung und schützt uns so vor Thrombosen und Embolien.
Weiter schützt uns das Progesteron vor Gewebsveränderungen in der Brust. Es unterstützt bei der Verwertung von Schilddrüsenhormonen und reguliert den Zink- und Kupferhaushalt. Dieses Hormon stärkt die Basenfunktion und regt die knochenaufbauenden Zellen, die Osteoblasten, an.
Progesteron steht unserem Körper aber nicht vollständig zur Verfügung. Aus ihm werden auch Cortisol, Testosteron und Östrogene gebildet.
Bei uns Frauen lässt aber bereits ab Mitte/Ende dreißig die Progesteronproduktion nach, weil es nun nicht bei jedem Zyklus zu einem Eisprung kommt. Viele Frauen merken das, weil sie jetzt verstärkt unter dem prämenstruellen Syndrom, kurz PMS, leiden.
Testosteron
Das dritte Hormon, welches ich hier vorstellen möchte, ist eines, was eher den Männern zugeschrieben wird. Es ist ein ‚männliches‘ Hormon, es gehört somit wie das DHEA zu den Androgenen. Männer besitzen auch deutlich mehr von diesem Hormon als wir Frauen, und trotzdem ist Testosteron auch für uns Frauen wichtig.
Wir bilden es in den Eierstöcken und in der Nebenniere, genauer in der Nebennierenrinde. Es wird gemeinsam mit den Östrogenen gebildet und gleicht sich den Zyklusschwankungen des Östrogens an.
Wir Frauen benötigen Testosteron, um Muskeln aufzubauen und somit den Stoffwechsel zu verbessern, um uns mit Energie zu versorgen. Es schenkt uns Tatkraft und Durchhaltevermögen. Es wirkt sich positiv auf unser Gehirn aus und regt die Körperbehaarung an. Außerdem fördert Testosteron die Bildung von Aminosäuren und von roten Blutkörperchen. Wie wir es bei vielen Jungs in der Pubertät, aber auch bei manchen Männern sehen können, verstärkt das Hormon die Aggressivität.
Testosteron ist bei beiden Geschlechtern für die Libido verantwortlich.
Ich finde, beim Testosteron sehen wir genau den Einfluss der Hormonmenge beim jeweiligen Geschlecht.
DHEA
Das Dehydroepiandrosteron ist das vierte und letzte Hormon, welches ich hier vorstellen möchte. Es ist ebenfalls wie das Testosteron ein Androgen, also ein ‚männliches‘ Hormon. DHEA wird in der Nebennierenrinde und den Eierstöcken gebildet und dient als Vorläuferhormon zur Bildung von Testosteron, aber auch von den Östrogenen.
Genauso wie beim Testosteron bilden wir Frauen weniger DHEA, den größten Teil in der Nebennierenrinde und einen kleineren Teil in den Eierstöcken.
DHEA reguliert unseren Blutzuckerspiegel, den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System.
Es ist wichtig für unseren Energiehaushalt, für unsere Muskeln und wirkt sich positiv auf unsere Knochenstabilität aus.
DHEA ist der Gegenspieler vom Cortisol, unserem Stresshormon. Dauerstress kann somit zu niedrigen DHEA-Werten führen, weil eine dauernde Stressbelastung über längere Zeit zu einer Nebennierenerschöpfung führen kann.
Mit dem Alter sinkt die DHEA-Produktion. Leider verfügen wir im Alter von etwa 60 Jahren nur noch über etwa 20 % der Produktionsmenge eines 20-Jährigen. Ich finde, auch dies ist ein Grund, über unseren täglichen Stress nachzudenken.
Was ein Mangel- bzw. ein Überschuss an unseren Geschlechtshormonen bewirkt, schreibe ich in separaten Beiträgen.
© Petra Nadolny
