Wenn ich zurückdenke, dann sehe ich eindeutig das hochsensible Kind vor mir. Damals war ich einfach nur das schüchterne, viel zu ruhige Einzelkind. Ich war nie spontan, habe mir immer überlegt, was passieren könnte. Mir war es immer wichtig, niemandem wehzutun. Schon als Kind machte es mir gar nichts aus, alleine zu spielen. Damals hieß die Erklärung: „Sie ist das als Einzelkind gewohnt.“ Ja, mag sein, aber genauso gerne, wie ich mit meinen Freundinnen gespielt habe, habe ich mich auch alleine beschäftigt. Natürlich hatte ich eine enge Bindung zu meinen Eltern, die mir aber viele Freiheiten gelassen haben. Es gab bei uns zu Hause Regeln, die nicht verhandelbar waren, die mir als hochsensiblem Kind aber ein sicheres Grundgerüst gaben. Ich hatte das Glück, sehr ländlich, im Grunde mitten im Wald, aufgewachsen zu sein. Der Wald war der Spielplatz von uns Kindern aus der Siedlung. Ich war sehr gerne im Wald, konnte mich dort stundenlang beschäftigen. Von meinem Vater habe ich viel über Pflanzen und Tiere gelernt. Ich war schon als Kind sehr vorsichtig und mitfühlend den Tieren gegenüber. Meine Mutter erzählte mir, dass ich schon als Kind viel Schlaf brauchte und sie mich einmal mitten in der Heide, hinter unserem Grundstück, schlafend gefunden hatte.

An meine Pubertät kann ich mich überhaupt nicht erinnern.

Um die Vierzig stellte sich bei mir ‚plötzlich‘ das Prämenstruelle Syndrom ein. Jetzt gab es Tage, da konnte ich mich selber nicht leiden, war gereizt, um kurz danach in eine depressive Stimmung zu verfallen. Später kamen regelmäßig Kopfschmerzen hinzu. Als hochsensibler Mensch spürte ich diese Stimmungsschwankungen und die hormonellen Veränderungen sehr deutlich. War ich schon durch meinen Wesenszug schnell reizüberflutet, feuerte das PMS dies noch weiter an.

Ich bin früher regelmäßig gelaufen, auf einmal bekam ich im Fußgelenk Schmerzen. Diese Schmerzen wurden so stark, dass ich kaum noch schmerzfrei gehen konnte. In unserer Familie spielte Rheuma eine Rolle und so habe ich mich beim Rheumatologen auf Rheuma untersuchen lassen. Zeitgleich hatte mein Hausarzt Blut untersuchen lassen. Der Rheumatest war zum Glück negativ, mein Hausarzt meinte aber, mein Borreliose-Titer sei erhöht und so bekam ich eine einundzwanzigtägige Borreliosebehandlung. Einundzwanzig Tage Antibiotika und mir ging es noch schlechter.

So plötzlich, wie die Gelenkschmerzen kamen, genauso plötzlich waren sie nach Wochen verschwunden. Ich hatte mich in den Jahren zuvor etwas verändert. Meine Hochsensibilität ist deutlich intensiver geworden.

In der Zwischenzeit habe ich die Pflege meiner Mutter übernommen, die durch ihr Rheuma nicht mehr selbstständig aufstehen konnte. Das hieß für mich, meiner Mutter zu helfen, wenn sie auf Toilette musste, beim anziehen und wenn sie generell aufstehen wollte. Das hieß aber auch, jede Nacht mindestens einmal geweckt zu werden und zurückblickend jahrelang keine Nacht mehr durchzuschlafen. Ich wurde immer gereizter, immer dünnhäutiger, es war chronischer Stress.

Meine Frauenärztin meinte mit Anfang fünfzig, ich solle jetzt mal ein Jahr durchgängig die Pille nehmen, nach dem Jahr wäre ich dann bestimmt in den Wechseljahren. Heute würde ich über diese Brücke nicht mehr gehen, aber es stimmte, nach dem einen Jahr Pille hatte ich noch zwei- bis dreimal meine Menstruation und dann war Schluss.

Jetzt verschlimmerten sich meine ‚Wehwehchen‘, meine Wechseljahressymptome waren treu an meiner Seite. Pflanzliche Mittel halfen gar nicht. Es stellten sich immer mehr Symptome ein.

Ich hatte dann von mir aus einen Speicheltest gemacht, also online bestellt und die Speichelproben ins Labor geschickt. Ergebnis: Es waren keine Sexualhormone nachweisbar.

Kurze Zeit später habe ich mit den bioidentischen Hormonen nach Rimkus begonnen. Erster Hormonstatus mittels Blut: Keine Hormone nachweisbar! Alle drei Monate wurde Blut abgenommen, ständig die Dosis erhöht, aber meine Hormone blieben sehr niedrig. Da ich die Labortests selber bezahlen musste, habe ich auch DHEA testen lassen, ein Hormon, welches in der Nebennierenrinde produziert wird. Dreimal darfst du raten: Nicht nachweisbar.

Mittlerweile hatte ich zwei Ausbildungen absolviert, nur um mich und meinen Körper zu verstehen. Ich war nun zertifizierte Burnout-Beraterin und zertifizierte Wechseljahresberaterin.

Jetzt konnte ich mit den Werten etwas anfangen. Ich hatte durch den jahrelangen Dauerstress – ich hatte meine Mutter schon im Wald rufen hören, was natürlich nicht so war – meine Nebennieren erschöpft. Durch diese Nebennierenerschöpfung hat diese auch keine Hormone in der Rinde produziert. Ich war durch meine Hochsensibilität ja sowieso schneller gestresst. Das ausbleibende Progesteron, unser Hormon, welches uns beruhigt, tat sein Übriges. Mittlerweile hatte ich eine Vielzahl von Wechseljahresbeschwerden, nur die Hitzewallungen, die waren weg.

Momentan habe ich trotz bioidentischer Hormone von meiner Gynäkologin, die sich mit den Wechseljahren nicht wirklich auskennt, immer mal wieder das ein oder andere Symptom.

Interessant finde ich, wie sich mein Wesenszug mit den Hormonen verändert, also wie die Hormone die Hochsensibilität beeinflussen können.

Meine Geschichte ist mein Grund, weshalb ich mich mit ‚meinen‘ Themen, der Hochsensibilität und den Hormonen, aber auch mit dem großen Thema Stress intensiv beschäftige. Alle drei Themen greifen ineinander. Hätte ich über die Themen Hochsensibilität und Hormone schon eher Bescheid gewusst, wäre mir vieles erspart geblieben. Jetzt kann ich mit diesem Wissen aber anderen Frauen helfen.