Ich blicke ja eher positiv auf unseren Wesenszug. Ich merke allerdings immer wieder, dass viele HSPler große Probleme mit ihrem Wesenszug haben und dass deren Fokus auf den negativen Seiten der Hochsensibilität liegt.

Das finde ich schade!

Allerdings sehe auch ich durchaus die Schwächen unserer Sensibilität. Ich möchte ein paar dieser Schwächen mit dir anschauen. Bist du bereit?

Natürlich ist da allen voran die relativ schnelle Reizüberflutung. Warum ‚relativ‘? Je nachdem, wie wir mit unserem Wesenszug im Reinen sind. Wenn wir schon als Kind gelernt haben, dass wir völlig in Ordnung sind, so wie wir sind, und gut auf uns achten, besitzen wir etwas mehr Resilienz. Wir sind dann nicht so schnell überreizt, als wenn wir uns immer noch als „falsch“ ansehen und uns kaum Ruhephasen gönnen. Trotz aller Resilienz sind wir immer noch deutlich leichter reizüberflutet als normalsensible Menschen.

Dann sind da die Emotionen, unsere und die der anderen. Vielleicht kennst du das ja auch? Der Wechsel von himmelhochjauchzend zu tieftraurig geht oft schnell. Selten bleibt so ein Hochgefühl länger. Dieses Gefühl schwächt sich nicht nur etwas ab, es rauscht auch oft gleich ganz in den Keller. Als wenn das nicht schon belastend genug wäre, neigen wir auch dazu, die Emotionen anderer, die in unserer Nähe sind, wie ein Schwamm aufzusaugen und sie zu unseren Emotionen zu machen. Manchmal weißt du gar nicht, ob das wirklich deine Emotionen sind. Allerdings, wenn jemand die Gefühle seines Gegenübers gut verstehen kann, dann ist es der Hochsensible.

Eine weitere Schwäche ist unsere fehlende Entscheidungsfreudigkeit. Oder bist du in deinen Entschlüssen und deinen Entscheidungen schnell und zielsicher? Ich überlege oft lange das Für und Wider einer Entscheidung. Bei mir heißt es immer: „Ich muss erst eine Nacht drüber schlafen.“

Und jetzt kommen zwei Punkte, die sich oft einander bedingen und die ich persönlich als die größte Schwäche meiner Hochsensibilität sehe:

  • Die Selbstzweifel und
  • Der Perfektionismus

Kennst du das? Sobald du etwas machst, sitzen dir die Selbstzweifel und die Selbstkritik ständig im Nacken. Bei jedem anderen schaust du großzügig über eventuelle kleine Fehler hinweg.

„Kann ja jedem passieren.“

„Keiner ist perfekt.“

Und du?

Du willst perfekt sein. Du musst perfekt sein! Alles muss immer noch besser gehen. Du zweifelst an dir und dem, was du machst.

Wie schon geschrieben, ich kenne das auch. Der Perfektionismus ist mit den Jahren, oder besser gesagt mit dem Alter, schlimmer geworden. Ich muss mich oft zwingen, eine gewisse „Scheißegal-Haltung“ einzunehmen, um diese ständigen Zweifel und die ständige Kritik ruhig zu bekommen.

Eine tolle Lösung für diese beiden Punkte habe ich bisher leider auch noch nicht gefunden.

 

Vielleicht noch eine klitzekleine Schwäche: Wir stellen uns oft hintenan. Erst die anderen, dann wir. Wir achten weniger auf uns selbst, darauf, was unser Körper uns sagen möchte, und dabei haben wir eine ganz wunderbare Intuition. Wir müssen diese nur beachten.