Wenn wir mit einiger Vergrößerung in unseren Darm schauen könnten, würden wir dort ungefähr 100 000 Milliarden Bakterien bei der Arbeit zusehen können. Unser Darmmikrobiom ist individuell und wird maßgeblich beeinflusst durch unsere Ernährung, aber auch durch Umwelteinflüsse und Stress.

Mittlerweile wissen wir, dass der Darm viel mehr ist als ein Verdauungsorgan:

  • Hier wird der größte Teil unseres Immunsystems gebildet.
  • Hier können chronischen Erkrankungen entstehen.
  • Er beeinflusst unsere Psyche.
  • Er hat Einfluss auf unsere Hormone und die Knochendichte.

Studien zeigen uns Frauen, dass in den Wechseljahren die Diversität im Darm abnimmt und hier vor allem die nützlichen Bakterien weniger vorhanden sind, während sich dadurch die schädlichen Bakterien vermehren können. Das Darmmikrobiom von postmenopausalen Frauen gleicht sich dem Darmmikrobiom von Männern an, welches weniger vielfältig ist.

Wir wissen, dass unsere Darmbakterien unsere Knochendichte bzw. unsere Knochenfestigkeit beeinflussen können. Hier spielen die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien eine große Rolle, die kurzkettigen Fettsäuren Butyrat und Propionat. Beide Fettsäuren finden wir in der Synovia (Gelenkflüssigkeit) und im Knochenmark.

Dann gibt es noch das Östrobolom. Hierbei handelt es sich um einen Teil unseres Darmmikrobioms. In der Hauptsache geht es hier um die Arten von Bacteroides, Peptostreptokokken und Escherichia coli. Das Östrobolom produziert das Enzym β-Glucuronidase.

Jetzt müssen wir kurz noch einmal ein Stück zurückgehen. Das im Körper produzierte Östrogen wird in der Leber um- und abgebaut. Es wird an Glucuronsäure gebunden, damit es wasserlöslich und inaktiv ist, um ausgeschieden zu werden. Dies nennt man Konjugation. Hierbei passiert der Östrogen-Glucuronsäure-Verbund den Darm und somit auch das Östrobolom. Das dort gebildete Enzym β-Glucuronidase entfernt von diesem Verbund die Glucuronsäure und aktiviert damit das Östrogen, welches, nun wieder fettlöslich, über die Darmwand erneut aufgenommen wird und dem Körper wieder zur Verfügung steht.

Befinden sich zu wenig der oben genannten Bakterien in unserem Darm, so wird das Östrogen vermehrt ausgeschieden. Dies kann zu einem Östrogenmangel führen, welcher die Wechseljahressymptome verschlimmert.

Wir brauchen eine Ernährung, die gut für die Diversität in unserem Darmmikrobiom ist. Eine große Rolle spielen unter anderem die Ballaststoffe, die sogenannten Präbiotika. Die Präbiotika dienen den Bakterien, den Probiotika, als Nahrung. Wir haben bereits erfahren, dass die Vielfalt im Darm in den Wechseljahren abnimmt. Fermentierte Lebensmittel können diese Vielfalt wieder steigern. Eine Studie der Stanford-Universität, Kalifornien, zeigt, dass fermentierte Lebensmittel die Darmdiversität um ein Drittel steigern können. Hierbei geht es um selbst fermentierte Lebensmittel wie fermentiertes Gemüse, fermentierte Wildkräuter und – nicht zu vergessen – fermentierte Getränke. Warum selbst fermentierte Lebensmittel?
Fermentierte Lebensmittel aus dem Supermarkt sind durch Erhitzen haltbar gemacht und damit sind auch die meisten Milchsäurebakterien abgetötet. Dasselbe gilt für fermentierte Lebensmittel, die gekocht werden. Um die Probiotika und ihren Nutzen für unsere Verdauung umfänglich zu nutzen, sollten diese besser nicht erhitzt werden.

Das Gemüse und auch Obst, welches wir fermentieren möchten, bringen auf ihrer Oberfläche schon die Milchsäurebakterien mit. Diese Milchsäurebakterien verarbeiten Zucker und Ballaststoffe zu Milchsäure, Kohlendioxid, Essigsäure und Alkohol.

Bei der Fermentation von Pflanzenmaterial wird mit Salz gearbeitet. Das Salz hemmt schädliche Bakterien, bricht die Pflanzenzellen auf und somit entsteht ein sicheres Fermentationsmilieu.

Also, die Probiotika in unserem Darm benötigen Präbiotika, die Ballaststoffe. Diese werden zum Teil als wichtige Stoffwechselprodukte von den Mikroorganismen, wie den Milchsäurebakterien, umgewandelt. Diese Stoffwechselprodukte wie Vitamine, kurzkettige Fettsäuren und Enzyme werden Postbiotika genannt.

Fazit: Generell ist unsere Ernährung wichtig, aber für uns Frauen ist gerade in den Wechseljahren eine Mikrobiom-fördernde Ernährung besonders wichtig. Hier sind fermentierte Lebensmittel an vorderster Stelle zu nennen.